FAQ

Hier erklären wir Begriffe und Hintergründe rund um das Projekt und das Format der Wahlkreistage.
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Häufig gestellte Fragen zum Hintergrund des Projekts

Für uns ist es wichtig, in losbasierten Verfahren den direkten Austausch zwischen ausgelosten Menschen, die einen Teil der Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln, und den Abgeordneten zu ermöglichen. Für ganz Deutschland und mit allen Abgeordneten des Bundestags gleichzeitig ist das nur schwer möglich. Die Wahlkreisebene bietet dafür den passenden Rahmen.

Deutschland ist in 299 Wahlkreise eingeteilt, in jedem wohnen ungefähr 250.000 bis 300.000 wahlberechtigte Menschen. Alle Abgeordneten sind ebenfalls in einem Wahlkreis zuhause. Sie sind direkte Ansprechpersonen für politische Fragen vor Ort. So kommt den Wahlkreisen im demokratischen System Deutschlands eine ganz besondere Bedeutung zu: Sie sind Ort der Repräsentation und dienen der Beziehung zwischen der Bevölkerung und den Politiker:innen.

Gleichzeitig ist diese Ebene bislang keine, mit der sich Menschen identifizieren. Die Abgeordneten arbeiten zwar mindestens die Hälfte des Jahres im Wahlkreis, wer aber die Abgeordneten aus dem eigenen Wahlkreis sind, wissen nur wenige. Wir wollen diese Beziehung stärken, damit die gefühlte Distanz zwischen den Wahlkreisbewohner:innen und der Politik im Bundestag verringert wird. Das wird auch dadurch erreicht, dass auf der Wahlkreisebene die regionalen Unterschiede und Besonderheiten Berücksichtigung finden.

Zu einem Wahlkreistag von „Hallo Bundestag" werden grundsätzlich alle Bundestagsabgeordneten eines Wahlkreises eingeladen, sowohl die direkt gewählten als auch die über die Landeslisten in den Bundestag eingezogenen. Dieses Vorgehen hat sich aus den Erfahrungen der Pilotphase entwickelt, in der zunächst nur direkt gewählte Abgeordnete teilnahmen.

Bei der Bundestagswahl kann man auf dem Stimmzettel zwei Stimmen abgeben: In der linken Spalte macht man ein Kreuz für die Erststimme, rechts für die Zweitstimme. Mit der Erststimme wird ein Kandidat oder eine Kandidatin aus dem eigenen Wahlkreis direkt gewählt. In Deutschland gibt es 299 Wahlkreise. Mit der Zweitstimme wählt man eine Parteiliste, die in den Bundesländern aufgestellt wurde. Die Anzahl der Zweitstimmen entscheidet darüber, wie viele Kandidat:innen eine Partei insgesamt in den Bundestag entsenden darf (vgl. bpb).

Für die Aufgaben und Pflichten in der Wahlkreisarbeit macht es verfassungsrechtlich keinen Unterschied, ob die/der Abgeordnete direkt oder über die Liste gewählt wurde. Wir möchten das Verhältnis aller Abgeordneten zu den in ihrem Wahlkreis lebenden Menschen stärken. Daher streben wir an, keine Rollentrennung der Abgeordneten zu haben.

Weil sich in der Evaluation gezeigt hat, dass das Vertrauen in Politiker:innen, politische Prozesse und Parteien besonders dann steigt, wenn mehrere Abgeordnete unterschiedlicher Parteien gemeinsam an einem Wahlkreistag teilnehmen. Unsere Erfahrung zeigt: Erleben Teilnehmende einen konstruktiven, wohlwollenden Austausch der Abgeordneten über Parteigrenzen hinweg, entsteht ein deutlich anderes Bild von Politik als das, das häufig medial vermittelt wird. Genau dieses Erlebnis wollen wir mit „Hallo Bundestag" ermöglichen.

Die Organisation eines Wahlkreistags folgt einem festen Ablauf:

  • Initiierung: Mindestens zwei Abgeordnete aus einem Wahlkreis entscheiden sich, gemeinsam mit „Hallo Bundestag" einen Wahlkreistag zu veranstalten. Das können direkt gewählte oder über die Landesliste eingezogene Abgeordnete sein – oder auch Abgeordnete aus einem Nachbarwahlkreis, die dort eine im Wahlkreis nicht vertretene Partei betreuen.
  • Planung: Die initiierenden Abgeordneten legen gemeinsam Termin, Thema und weitere organisatorische Details des Wahlkreistags fest.
  • Erweiterte Einladung: Sobald der Termin feststeht, werden alle übrigen Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises eingeladen. So sollen Teilnehmende die Möglichkeit erhalten, mit allen ihren Repräsentant:innen im Bundestag ins Gespräch zu kommen.
  • Ausnahmen: In begründeten Einzelfällen behalten wir uns vor, einzelne Abgeordnete – in Rücksprache mit unseren Partnern vor Ort – nicht einzuladen.

Die Wahlkreise für „Hallo Bundestag" werden nach einem mehrstufigen, transparenten Verfahren ausgewählt, das die Vielfalt der 299 deutschen Wahlkreise so gut wie möglich abbildet.

Projektphase 1 (2021–2025): Die ersten sechs Wahlkreise

Der Ausgangspunkt waren zwei Berliner Wahlkreise, in denen bereits 2021 erfolgreiche Wahlkreistage stattgefunden hatten – einer im Westteil, einer im Ostteil der Stadt. Die große Begeisterung der Teilnehmenden war der Anlass, das Format weiterzuführen. Um über Berlin hinaus ein möglichst repräsentatives Bild Deutschlands zu erhalten, kamen vier weitere, bewusst ausgewählte Wahlkreise hinzu. Uns war dabei klar: Sechs Wahlkreise können nicht alle Merkmale der bundesweit 299 Wahlkreise abdecken. Sie bildeten jedoch einen fundierten Startpunkt für das Projekt.

Projektphase 2 (2026–2029): Ausweitung auf alle 299 Wahlkreise

Nachdem sich das Format in den ersten sechs Wahlkreisen bewährt hat, öffnen wir „Hallo Bundestag" nun für die verbleibenden 293 Wahlkreise. Alle Bundestagsabgeordneten können sich für einen Wahlkreistag in ihrem Wahlkreis bewerben. Aus den eingehenden Bewerbungen wählen wir anschließend gezielt möglichst unterschiedliche Wahlkreise aus, um die Vielfalt Deutschlands weiterhin bestmöglich widerzuspiegeln.

Nach welchen Kriterien werden die Wahlkreise ausgewählt?

Bei der Auswahl der Wahlkreise berücksichtigen wir insbesondere:

  • Regionalität: alte und neue Bundesländer
  • Wirtschaftsstruktur: strukturschwache und strukturstarke Regionen sowie Regionen im Strukturwandel
  • Politische Vielfalt: Parteienverhältnis und Wahlstimmenverhältnis im Wahlkreis
  • Repräsentation: Geschlechterverhältnis der jeweiligen Abgeordneten

So stellen wir sicher, dass „Hallo Bundestag" über die Projektlaufzeit hinweg ein möglichst realistisches und ausgewogenes Bild der politischen und gesellschaftlichen Vielfalt Deutschlands abbildet.

Mehr Infos zu den Wahlkreisen im Projekt ->

Ziel unserer Wahlkreistage ist es, dass Abgeordnete ein möglichst gutes Bild davon bekommen, was Menschen in ihrem Wahlkreis denken, was sie beschäftigt und welche Haltungen und Meinungen sie zu den für die Politik relevanten Themen haben. 

Da wir nicht alle 300.000 Einwohner:innen eines Wahlkreises mit den Abgeordneten ins Gespräch bringen können, müssen wir eine Auswahl treffen. Die Zufallsauswahl stellt sicher, dass alle Menschen im Wahlkreis dieselbe Chance haben, ausgewählt zu werden.

Die Merkmale der Bevölkerung werden bei einer Zufallsauswahl auch in einer kleineren Gruppe besser abgebildet, als wenn wir beispielsweise fragen würden: „Wer möchte gerne mitmachen?". Wir schaffen es durch das Auslosen, dass viele Menschen dabei sind, die sich von sich aus nicht für so eine Veranstaltung angemeldet hätten.

Beim aufsuchenden Losverfahren besuchen wir zufällig ausgeloste Menschen persönlich zu Hause, statt sie nur postalisch oder digital einzuladen. Bei diesem Besuch klären wir direkt vor Ort, ob individuelle Unterstützung für die Teilnahme am Wahlkreistag benötigt wird. Das kann zum Beispiel eine Übersetzung, Hilfe bei der Anmeldung oder auch die Kinderbetreuung sein. So bauen wir gezielt Hürden ab, die Menschen sonst von einer Teilnahme abhalten würden.

Dieses Vorgehen hat mehrere entscheidende Vorteile: Es erreicht auch Menschen, die auf schriftliche Einladungen selten reagieren – etwa, weil ihnen Sprachkenntnisse, Zeit oder Vertrauen in politische Formate fehlen. Der persönliche Kontakt an der Haustür ermöglicht es zudem, direkt zu erfahren, warum jemand zunächst nicht reagiert hat, offene Fragen zu klären und für eine Teilnahme zu werben – ganz ohne Druck, denn die Teilnahme bleibt selbstverständlich freiwillig.

So wird eine deutlich breitere und repräsentativere Teilnehmendengruppe erreicht, als es bei einer offenen Anmeldung der Fall wäre. Gerade Menschen, die im politischen Alltag selten gehört werden, nehmen so eher teil, weil sie gezielt und persönlich angesprochen werden. Das aufsuchende Losverfahren trägt damit maßgeblich dazu bei, dass die Vielfalt der Bevölkerung im Wahlkreis – etwa in Bezug auf Sprache, Alter, Bildungshintergrund oder Lebenssituation – bei den Wahlkreistagen tatsächlich abgebildet wird und nicht nur ohnehin schon politisch aktive oder gut informierte Menschen zusammenkommen.

Wahlkreistage unterscheiden sich von Bürgerräten wesentlich in dem Punkt, dass Bürgerräte zum Ziel haben, zu einem bestimmten Thema Empfehlungen an eine Entscheidungsinstanz zu liefern. Im Fall der nationalen Bürgerräte bedeutet das zum Beispiel, dass eine repräsentative Gruppe zufällig ausgeloster Menschen aus Deutschland (ca. 160 Menschen) zusammen und mithilfe wissenschaftlichen Inputs, Exkursionen und Expert:innen in einem intensiven und mehrwöchigen Prozess Empfehlungen erarbeiten, die in die Entscheidung der Regierung einfließen, bzw. diese beraten. Bürgerräte zielen also darauf ab, die Entscheidungen der Regierung um die Perspektive der Bürger:innen anzureichern und so zu verbessern.

Wahlkreistage dagegen verfolgen ein anderes Ziel. Sie legen den Fokus auf den Austausch über ein bundespolitisch relevantes Thema, bei dem die Abgeordneten etwas über die Lebensrealitäten in ihrem Wahlkreis erfahren und die Teilnehmenden besser verstehen können, wie die Arbeit der Abgeordneten und politische Prozesse funktionieren. Kurzum: Es geht um die Beziehungsebene

Das hängt auch damit zusammen, dass Abgeordnete in einem Wahlkreis keine alleinige Entscheidungsmacht über das bei Wahlkreistag Besprochene besitzen. Sie sind jedoch einerseits Vertreter:in für die Belange des Wahlkreises im Bundestag und andererseits meistens sehr gut in der Landes- und Kommunalpolitik vernetzt. Sie wissen am besten, wo welche Themen platziert werden können und wirken so als Multiplikator:innen für bestimmte Belange. 

Bei Bürgerräten findet die Erarbeitung von Empfehlungen meistens bewusst unter Ausschluss der Politiker:innen statt, damit diese die Ergebnisse nicht beeinflussen. Die Politiker:innen werden im Anschluss daran gebeten, zu den Empfehlungen des Bürgerrats Stellung zu beziehen und zu begründen, warum welche Empfehlungen umgesetzt oder nicht umgesetzt werden. 

Bei Wahlkreistagen geht es nicht um Ergebnisse im Sinne von Empfehlungen, sondern um das Schaffen eines Raums, der gegenseitiges Verständnis ermöglicht und stärkt. Wahlkreistage bringen daher per Zufall ausgeloste diverse Menschen und Abgeordnete in einen Raum, um gemeinsam über Themen zu diskutieren, Probleme zu definieren, Fragen zu klären und Ideen gemeinsam zu besprechen. Dabei wird besonders auf den Austausch persönlicher Erfahrungen Wert gelegt. Diese Geschichten aus den unterschiedlichen Lebensrealitäten veranschaulichen, wo es Nöte gibt, wo Unverständnis herrscht und welche Ideen es aus der Erfahrung heraus bereits für die Lösung gibt. Als eine gute Gruppengröße hat sich die Anzahl von 25-30 Teilnehmenden bewährt. Sie bewahrt das Gefühl, in einem geschützten und privaten Raum einen persönlichen Austausch mit Politiker:innen zu führen.

Aus diesem Fokus ergibt sich, dass Wahlkreistage nur einen Tag lang dauern. Wahlkreisräte, deren Mitglied alle Teilnehmenden der Wahlkreistage werden können, bilden dann das Mittel, um die Beziehung auch langfristig aufzubauen und die Arbeit der Abgeordneten um Perspektiven einer diversen Gruppe aus ihrem Wahlkreis zu bereichern.

Das bedeutet aber nicht, dass es keine Art der Verbindlichkeit gibt. Die Abgeordneten werden am Ende eines Wahlkreistags gefragt, was sie von dem Gehörten und Diskutierten mitnehmen und welche Möglichkeiten sie sehen, es weiterzutragen. 

Für die unterschiedlichen Themen gibt es auch bei Wahlkreistagen wissenschaftlichen Input für die gemeinsame Diskussionsgrundlage. Wie wir diesen erstellen, erfahren Sie hier.

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